Die Georgsmarienhütte GmbH ist nicht nur Namensgeber, sondern auch einer der wichtigsten Arbeitgeber unserer Stadt. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklungen weltweit stellen sich viele die Frage, wie sicher ihr eigener Arbeitsplatz, der Arbeitsplatz ihrer Familienangehörigen noch ist. Daher hat Joachim Grützmacher, Mitglied der Grünen aus Holzhausen, einen Ortstermin für den 03.12. 2025 für uns gemacht.
Mit uns sprachen Yasin Abay, Betriebsratsvorsitzender und Andrea Bruns, Nachhaltigkeitsmanagerin.
Wir erfuhren, dass die Zahl der Beschäftigten zurzeit ca 1300 beträgt, dass diese Zahl sich aber entlang der Auftragslage entwickelt. Diese wiederum sei an die Preise gekoppelt, zu denen das Werk produzieren könne – und schon waren wir beim Thema Strompreiskompensation. Die Georgsmarienhütte GmbH – wie auch andere Industrieunternehmen – sei allein mit dem aktuellen Strompreis international kaum konkurrenzfähig. So biete Frankreich einen Strompreis von 5 Cent pro kWh und in Deutschland tue man sich „so schwer“ damit, Strom auf diesem Niveau anzubieten.
Wir lernten, dass das Stahlwerk verschiedene Wege geht, um sich dieser Herausforderung zu stellen. Wegen der hohen Strompreise sei man einerseits in den Wintermonaten auf Nachtschicht gegangen, das sei auch für das aktuelle Jahr 2026 geplant. Hier habe man mit Betriebsrat und Beschäftigten erträgliche Konditionen ausgehandelt. Das sei möglich, weil sich die Beschäftigten in hohem Maße mit der Hütte verbunden fühlten. Andererseits würden Spezialstahle produziert, die man andernorts nicht produziert.
Auch müsse man weiterdenken in Bezug auf die Kundschaft. Zurzeit gingen ca. 70% der Produktion in die KFZ-Wirtschaft. Da E-Autos deutlich weniger Stahl brauchen, seien die Luftfahrt und Produkte zu erneuerbaren Energien mögliche Alternativen. Auch die Rüstungsindustrie sei als Kunde nicht auszuschließen.
Man nehme die Sorgen bzgl. der Arbeitsplätze – insbesondere unter jungen Familien – sehr ernst. Doch derzeit seien keine Entlassungen geplant und alle Azubis würden wohl übernommen werden. „Wir stehen zum Standort“, daher „gehen wir nichts ins Ausland“, gibt Yasin Abay die Geschäftsführung wieder.
Wir wären nicht die Grünen, wenn es nicht auch um Nachhaltigkeit gegangen wäre. Nachhaltigkeit ist ja gerade ein viel strapazierter Begriff. „Nachhaltigkeit oder nachhaltige Entwicklung bedeutet, die Bedürfnisse in der Gegenwart so zu befriedigen, dass die Möglichkeiten zukünftiger Generationen dadurch nicht eingeschränkt werden. Dabei ist es wichtig, die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – wirtschaftliche Effizienz, soziale Gerechtigkeit, ökologische Tragfähigkeit – gleichberechtigt zu betrachten. (https://www.bmz.de/de/service/lexikon/nachhaltigkeit-nachhaltige-entwicklung-14700)
Arbeitsplätze, Wirtschaftlichkeit, faire Entlohnung, Umweltbewusstsein und Ressourcenschonung – klingt zunächst nach der Quadratur des Kreises.
Was wir schon wussten: Der Lichtbogenofen hat auch bei der Hütte die Kreislaufwirtschaft eingeläutet. Nicht Bodenschätze, sondern Schrott wird zu neuem Stahl verarbeitet. Auch die Website der Hütte gibt reichlich Informationen zu nachhaltigen Zielen wie z. B. Grünem Stahl. https://www.gmh-gruppe.de/
Überzeugt und überzeugend stellte Andrea Bruns uns Beispiele des Konzepts der Hütte vor.
Die Hütte wolle bis 2039 klimaneutral sein durch den Einsatz erneuerbarer Energien, Investitionen in Anlagentechnik sowie Verwendung biogener Brennstoffe statt fossiler Kohle. Auch grüner Wasserstoff sei ein Ziel – das Stahlwerk werde an die Nordseetrasse angebunden. Diese Pipeline wird aus grüner Sicht durchaus kritisch gesehen, da sie das Wattenmeer betrifft.
Man nehme sich auch bewusst der politischen Bildung der Beschäftigten an, indem man über demokratische Prozesse informiere. Dies geschehe zum einen über Infobildschirme, die in allen Werksbereichen installiert sind, sowie auch über die MitarbeiterApp, die jedem Mitarbeitenden zur Verfügung steht. Die Georgsmarienhütte GmbH widme sich ganz besonders dem Thema Diversität. Nicht nur die Bedürfnisse der multikulturellen Belegschaft aus derzeit 15 Nationen, sondern auch die Erhöhung des Frauenanteils in Fach- und Führungspositionen stehen hier im Fokus.
Die Zielsetzung Nachhaltigkeit war für uns klar erkennbar. Die anfängliche Sorge unserer beiden Gesprächspartner, wir als Grüne stünden dem Stahlwerk grundsätzlich sehr skeptisch gegenüber, also die vermeintliche Wirtschaftsfeindlichkeit der Grünen, konnte schnell widerlegt werden. Es war ein sehr spannender Termin, unsere Fragen wurden mit großer Fach- und Sachkompetenz beantwortet. Ganz herzlichen Dank an unsere beiden Hosts Andrea Bruns und Yasin Abay, wir haben uns sehr willkommen bei euch gefühlt. Zu guter Letzt wurde klar, dass wir auf jeden Fall wiederkommen möchten. Das Lichtbogenofenspektakel, das aufgrund der Stromsparmaßnahme aktuell nur nachts stattfindet, müssen wir unbedingt noch sehen.